Mit Risiko verbunden


   
   

 

       

Mit Pfeil und Strom

Eigentlich sind TASER, zumindest in den USA, ein "alter Hut". Die Bezeichnung ist willkürlich gewählt und nicht etwa die Abkürzung einer waffentechnischen Konstruktion.
Seitdem TASER-Geräte in den USA eingesetzt werden, sollen die Schusswaffengebrauchsfälle seitens der Exekutive zwar deutlich zurückgegangen sein, doch ist irgendwie die ganze Sache, ebenso wie der Einsatz von Elektroschockern üblichen Typs, mit einem gewissen Risiko verbunden.
Das Prinzip des TASERS besteht aus einer Steuereinheit, aus der mit Gasdruck zwei an dünnen Drähten befestigte Pfeile auf den Kontrahenten abgeschossen werden. Die Pfeile haken sich im Körper fest und nun wird mit Hilfe des Akkumulators ein zuvor erzeugter Elektroimpuls durch die Drähte gejagt, der beim Getroffenen einen hohen Lähmungserfolg aufgrund der entstehenden Muskelkontraktionen erzeugt.
Ob und in welcher Weise dieser Erfolg jedoch eintritt, hängt von mehreren Faktoren ab, wie etwa von der Entfernung, von der Stromstoßstärke und der Bekleidung die der Getroffene trägt. Der Wirkungsgrad der Treffer ist auch davon abhängig, welche Muskeln getroffen wurden; Treffer der Körperseiten sind dabei am wenigsten erfolgversprechend.
Außerdem spielt es eine Rolle, wie weit voneinander entfernt beide Pfeile im Körper einhaken. Wird das Ziel von einem Pfeil überhaupt verfehlt, so ist der Stromkreis nicht geschlossen. Man kann dann den TASER nur mehr als eine Art Elektroschocker benützen, was aber bedeutet, mit dem Getroffenen rasch Körperkontakt herzustellen und das ist ja genau das, was man vermeiden wollte.
Die Einsatzschussweite der neuesten TASER-Modelle, die sich von der Konfiguration eines Kästchens zur Pistolenkonfiguration gewandelt haben, beträgt zwischen fünf und sieben Metern. Bei einem sich schnell bewegenden Gegner ist es nicht gerade leicht, diesen zu treffen.
Den US-Polizeizeitungen entnimmt man, dass in Einzelfällen auch schon seltsame Wirkungen bei der TASER-Anwendung passiert sind. So soll etwa ein Polizist einen bewaffneten Randalierer erst mit einem CS-Spray angesprüht haben. Als der Spray keine Wirkung zeigte, schoss der Beamte die TASER-Pfeile ab. Der Stromstoß soll das Tränengas entzündet haben, worauf der Getroffene in Flammen stand.

Bis zu 60 Sekunden außer Gefecht

Wie auch immer, das neueste TASER-Modell ist wohl der noch im Experimentierstadium befindliche X26E, ein "Behördenmodell", das seine beiden Pfeile mit Hilfe einer Stickstoffkartusche abschießt. Die Maximalreichweite beträgt sieben Meter, die Pfeile haben eine Fluggeschwindigkeit von rund 50 Metern pro Sekunde. Der im TASER programmierte mehrmalige Fünf-Sekunden-Impuls (innerhalb von zwei Sekunden 19 Impulse, innerhalb weiterer drei Sekunden 15 Impulse) ermöglicht, einen Gegner bis zu 60 Sekunden zu paralysieren. Angeblich wird die Wirksamkeit der Stromstöße auch infolge Einwirkung von Alkohol-, Drogen- oder Medikamenteneinnahme des Getroffenen nicht abgeschwächt.
Bei allen Restrisiken, die bei einem TASER-Einsatz gegeben sind, sollte man doch die Alternative – den Schusswaffengebrauch – ins Kalkül ziehen.
Das Behördenmodell M18/M26 ist bereits im Handel. Es weist Größe und Form einer durchschnittlichen Pistole auf, hat sowohl Laser als auch Weißlichtquelle und ist mit Gürtel-, Schulter- oder Oberschenkelholster lieferbar.
Als Käufer-Zielgruppe werden vor allem die Angehörigen der Sicherheitsexekutive angesehen, wenn sie mit Einsätzen in dicht bevölkerten, engen Räumen zu rechnen haben und die Umfeldgefährdung den Schusswaffengebrauch nicht erlaubt, wie etwa im Kaufhausbereich, bei Riot-Control-Einsätzen oder in Luftfahrzeugen (Air-Marshal-Dienstbereich).
Rheinmetall W&M soll gegenwärtig mit einem "Plasma-TASER" experimentieren, bei dem auf Pfeile und Drähte verzichtet wird. An dessen Stelle wird ein faserangereichertes, stromleitendes Gas aus dem TASER ausgestoßen. Mehr ist noch nicht bekannt.
Der handelsübliche TASER kostet zwar noch um die 400 bis 800 Euro pro Stück (die Pfeile kosten pro Stück 40 Euro. Die polizeipraktische Erprobung könnte nicht schaden.
Heinz G. Hailwax